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Jul
16

Tor zur Geschichte

Burg

Sehenswert. Der Schauraum des Museums in der Burg ist frei zugänglich. Foto: Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Was man über die Villacher Burg wissen sollte: Sie ist heuer wieder Kirchtagsschauplatz und war einst das wichtigste Gebäude der Stadt.

Freud und Leid liegen oft eng beieinander. Besonders in der Villacher Burg, deren Innenhof nach zwei Jahren Pause am Kirchtag erstmals wieder bespielt wird. „Taupes Genusswiesn“, die dort als Party-Almhütte mit 200 Sitzplätzen einziehen wird, trennen nur ein paar Schritte von einer mindestens 400 Jahre alten Gefängniszelle. Die Striche im Wandputz, mit denen die Inhaftierten die Tage gezählt haben, zeugen bis heute von der Verwendung der Nische.

So zählten die Gefangenen die Tage. Foto: Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

So zählten die Gefangenen die Tage. Foto: Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Von außen erinnert das von der Stadt als Wohnhaus genutzte Gebäude gar nicht an eine Burg im klassischen Sinn. Der Eindruck täuscht. „Die Burg ist das wichtigste Verwaltungs- und Verteidigungsgebäude gewesen“, erklärt Kurt Karpf, der Direktor des Villacher Museums. „Sie hat die Rüstkammer sowie den Getreidespeicher beherbergt und als herrschaftliches Repräsentations- sowie Wohngebäude der von einem Burghauptmann angeführten bambergischen Beamten gedient.“ Villach war ja von 1007 bis 1759 im Besitz des Bistums Bamberg (wie übrigens auch das Kanaltal, Feldkirchen, Wolfsberg und weite Teile des Lavanttals).

Burg

Heute wird die Burg als Wohnhaus genutzt. Foto: Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Archäologische Untersuchungen um das Jahr 2000 haben ergeben, dass die Villacher Burg früher entstanden ist als bis dahin angenommen. Mit ihrem Bau hat man bereits kurz nach der Schenkung Villachs durch den deutschen Kaiser Heinrich II. an das Hochstift Bamberg begonnen – also vor mehr als 1000 Jahren! „Über den Alltag in der Burg wissen wir durch die jüngsten Funde relativ gut Bescheid“, sagt Karpf. Das verdankt man unter anderem dem Ausheben einer Latrine im Westflügel, in der im 16. und 17. Jahrhundert Speisereste und sonstiger Abfall entsorgt worden sind.

Burg

Austernschalen aus der Latrine. Foto: Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Auf den Tisch kamen gängige Haus- und Wildtiere sowie – in immensen Mengen – Austern, die als Lebendimport im Winter aus der Adria nach Kärnten gebracht wurden. Außerdem bargen die Archäologen Knochen von Schildkröten, Braunbären und Steinböcken. Reste des feinen Geschirrs und der Gläser werden mit anderen Entdeckungen in einem kostenlos zugänglichen Schauraum des Museums in der Burg (siehe Info rechts) gezeigt. Darunter befinden sich zum Beispiel eine Sparbüchse und eine Tonfigur eines Turnierreiters aus dem 12. Jahrhundert, die offenbar als Kinderspielzeug gedient hat. Sie gilt als einer der ältesten Funde dieser Art in Europa.

Burg

Die Tür zur Zelle. Foto: Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Auch die eisenbeschlagene Tür zur Gefängniszelle wird ausgestellt. Ihre ursprüngliche Funktion erkennt man gut am kleinen Fenster für die vermutlich kargen Mahlzeiten. Obwohl entsprechende Überlieferungen fehlen, ist davon auszugehen, dass hier einst weder Austern noch Kirchtagssuppe durchgereicht wurden.

Burg

Blick in die Zelle. Foto: Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Der Schauraum (Burgplatz 1; Eintritt frei) ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet – außer in der Kirchtagswoche, in der er aus Sicherheitsgründen geschlossen bleibt. Die Ausstellung des Stadtmuseums wurde mit Unterstützung des Rotary-Clubs Villach Park eingerichtet.

Burg

Die Villacher Burg. Foto: Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Georg Lux