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Apr
11

Abgang eines Unbequemen

Richard Pfeiler. Foto: Kleine Zeitung/Markus Traussnig

Richard Pfeiler. Foto: Kleine Zeitung/Markus Traussnig

Über den Pfexit. Notizen zum überraschenden Abgang von Richard Pfeiler als Villacher Kirchtagsobmann. 

Man muss gar nicht zwischen den Zeilen lesen. Die tiefen Gräben sind offensichtlich. „Schweren Herzens, aber mit klarem Verstand“, verkündete Richard Pfeiler am Samstag via Facebook seinen Rücktritt als Obmann des Vereins Villacher Kirchtag. Ausschlaggebend für seinen überraschenden Abgang (von ihm selbst ironisch abgekürzt: Pfexit) war der in unserer aktuellen Berichterstattung bereits ausführlich geschilderte Konflikt in einer Beiratssitzung. Pfeiler bezeichnete die Vorgänge später als „politische Einflussnahme“, hinter der wohl mehr stecken dürfte als die öffentlich diskutierte Nun-doch-nicht-Indexanpassung der Standgebühren.

Eine für alle „bequemer“ Kirchtagsobmann ist der heute 61-Jährige nie gewesen. Als er 1999 – damals noch als SPÖ-Vizebürgermeister – das Amt übernahm, startete er eine zunächst umstrittene Qualitätsoffensive. Aus der Partymeile am Hauptplatz wurde Österreichs größter Gastgarten ohne Verstärker und der Villacher Kirchtag in Summe durch ein Fülle von Maßnahmen vom „festa della birra“ zum größten echten österreichischen Brauchtumsfest. Pfeiler war der Motor für die Wiederentdeckung des Ursprünglichen. Das hat am Anfang nicht allen gefallen, am Ende haben aber doch alle davon profitiert – von der Wirtschaft bis hin zu den Besuchern.

Mit wie viel Herzblut Pfeiler dabei war, zeigt sein Abschiedsschreiben auf Facebook. Darin heißt es auch: „Das Selbstverständnis meiner Kirchtagsarbeit war nicht nur Verantwortlicher, sondern in erster Linie ein guter Gastgeber zu sein und trotz der Dimension den zigtausend Besuchern ein Fest zu bereiten, wie ich es für gute Freunde und mich selbst machen würde. Für die Menschen musste spürbar sein, dass das Fest auch den Organisatoren Spaß und Freude macht.“

Mit Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser (SPÖ) hat Pfeiler eine würdige Nachfolgerin gefunden. Sie ist beliebt, sie kann das und sie wird sicher auch überraschen.

Ironie des Schicksals: „Politische Einflussnahme“ ist Pfeiler schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Er wehrte sich wie ein Löwe gegen die, wie er sie nannte, „missbräuchliche Vereinnahmung“ von Tradition und Brauchtum durch FPÖ/BZÖ/FPK. Damals noch unter dem Applaus seiner Parteifreunde.

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Georg Lux