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Jul
25

Feuerwehr ist stinksauer

Protest der Feuerwehr auf Facebook

Protest der Feuerwehr auf Facebook

Wirtschaftskammer will Villacher Feuerwehren vom Kirchtag vertreiben. Jetzt hagelt es Proteste aus der Bevölkerung.

UPDATE zum Kleine Zeitung-Bericht vom 25. Juli 2015.

Der „Kreuzzug“ (O-Ton Hauptfeuerwache-Kommandant Harry Geissler) der Wirtschaftskammer gegen die Villacher Florianijünger ist heute Tagesgespräch in der Draustadt und auf Facebook. Tenor: Unverständnis. Die Kammer schießt damit ja auch scharf gegen eigene Mitglieder, die (auch in wirtschaftlichen Belangen) Partner der Feuerwehr sind und sie deshalb unterstützen.

In dem schon länger schwelenden Konflikt geht es um die Stände, die von mehreren Freiwilligen Feuerwehren seit Jahrzehnten am Villacher Kirchtag betrieben werden. Die dafür notwendigen Konzessionen erhalten sie von einheimischen Gastronomen, die deshalb nun ins Visier der Wirtschaftskammer geraten sind. „Man hat die Wirte angerufen und ihnen mit Betriebsprüfungen gedroht, wenn sie uns wieder unterstützen“, sagt Geissler.

Zum Glück habe sich kein Unternehmer einschüchtern lassen, so Geissler. „Wir arbeiten am Kirchtag alle ehrenamtlich. Der Erlös fließt ausschließlich in die Anschaffung von Geräten und Schutzbekleidung“, beteuert der Kommandant. „Die Villacher Feuerwehren haben nach dem Hagelunwetter in 36 Stunden 600 Einsätze bestritten und auch unzähligen Gewerbe- und Gastronomiebetrieben geholfen. Ist das jetzt der Dank der Wirtschaftskammer dafür?“

Der zuständige Fachgruppengeschäftsführer in der Wirtschaftskammer, Guntram Jilka, verweist auf Funktionär Adi Kulterer. Der Klagenfurter Gastronom ist Sprecher der Kammer-Initiative „Fairplay“ und rudert zurück: „Wir wollten unsere Mitglieder im Vorfeld nur über die heikle Rechtslage aufklären. Eine Übertragung der Konzession ist aus unserer Sicht nicht erlaubt und mit Haftungen verbunden, für die Unternehmer ebenso wie für die Vereine. Ich schließe aus, dass jemandem gedroht worden ist. Wir sind um ein gutes Auskommen mit allen bemüht.“

Geissler widerspricht und kündigt kärntenweite Proteste von Feuerwehren gegen das Vorgehen der Wirtschaftskammer an: „Wir sind ja nicht die Ersten, die man auf diese Art und Weise anschleicht.“ Im Raum steht auch eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen versuchter Nötigung. Schützenhilfe kommt von Richard Pfeiler, dem Obmann des Vereins Villacher Kirchtag. „Die Feuerwehren sind eine ebenso wichtige Säule unserer Veranstaltung wie die vielen engagierten Gastronomen. Dass Ehrenamtliche nun mit solchen Methoden verdrängt werden sollen, ist infam“, wettert er.

Stadt will Anwälte zahlen

Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) ist ebenfalls empört: „Der Versuch der Kämmerer, die Freiwilligen Feuerwehren vom Villacher Kirchtag zu verdrängen, stellt eine Missachtung des Ehrenamtes dar! Aus diesem Grund wird die Stadt, sollte es tatsächlich zu entsprechenden Anzeigen kommen, den Gastronomen sowie auch den betroffenen Feuerwehren einen Rechtsbeistand beistellen!“ Und SPÖ-Stadtrat Andreas Sucher munitioniert sich schon für die Gemeinderatssitzung in der Kirchtagswoche auf: „ÖVP-Stadtrat Weidinger und sein Ersatzgemeinderat Wirtschaftskammerobmann Plasounig sollen ihre Parteifreunde zurückpfeifen!“

Lokalverbot gibt es am Kirchtag keines. „Ich wünsche mir trotzdem keinen Besuch der Herren Jilka und Kulterer“, sagt Pfeiler. „Sie haben weder den Begriff Brauchtumsfest noch Gemeinschaft verstanden.“ Kulterer sieht das anders: „Gerade die Wirte schaffen noch Gemeinschaft.“ Er hofft ein Einlenken der Villacher und einen Friedensschluss – am Kirchtag.

Georg Lux