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Jun
01

Zwei Kirchtage, zwei Welten

Lustige Diskussionsrunde mit Guido Schützelhofer (links) und Felix Abuja (rechts). Foto: Peter Just

Lustige Diskussionsrunde mit Guido Schützelhofer (links) und Felix Abuja (rechts). Foto: Peter Just

In Feistritz/Gail und in Puch im Drautal wird Anfang Juni fast zeitgleich gefeiert. Es sind zwei völlig unterschiedliche Feste.

Ehrlich gesagt: Ich habe mir vom Streitgespräch zwischen dem Pucher Kirchtag und dem Feistritzer Kufenstechen mehr Action erwartet. Trotzdem war es eine spannende Diskussion, die ich mit Felix Abuja (Obmann der Burschenschaft Feistritz/Gail) und Guido Schützelhofer (Zechmeister der Burschenschaft Puch) vor Kurzem für eine Sonderausgabe der Kleinen Zeitung führen durfte. Die Organisatoren der ebenso unterschiedlichen wie legendären Feste sind sich in vielen Punkten einig – vor allem was die „Konkurrenz“ in Villach betrifft.

Die Diskussion in voller Länge

Zwei Kirchtage, zwei Welten: Party in Puch, Tradition im Gailtal. Ihre Veranstaltungen finden beinahe zeitgleich, nicht einmal 20 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt, statt, scheinen aber bis auf den Namen nichts miteinander zu tun haben . . .

FELIX ABUJA: In Feistritz geht es wahrscheinlich wirklich traditioneller zu, auch wenn man vom Kufenstechen absieht, das es ja nur bei uns im Unteren Gailtal gibt. Bei der Abendunterhaltung wird zum Großteil Polka und Walzer gespielt. Discofox ist möglich, aber noch immer eher die Ausnahme.

GUIDO SCHÜTZELHOFER: In Feistritz ist das Kufenstechen die Hauptattraktion für die auswärtigen Besucher, bei uns in Puch ist es die Stimmung im Zelt, die Party, wenn Sie das so nennen wollen. Unser Kirchtag geht aber weit darüber hinaus. Nach dem Gottesdienst gibt es zum Beispiel den traditionellen Platztanz. Eineinhalb Wochen vorher gehen wir von Haus zu Haus, um Pulvergeld für das Böllerschießen zu sammeln. Dabei tragen wir jedes Mal ein Gedicht vor. Das ist der Kirchtag für die Bevölkerung. Die Abendveranstaltungen sind sicher eher eine Art Event.

Ist das noch ein Kirchtag?

ABUJA: Diese Frage sollte man wohl eher im Zusammenhang mit dem Villacher Kirchtag stellen. Der ist mit seinem Vergnügungspark vielleicht ein Volksfest, aber sicher kein Kirchtag. Das beginnt schon bei der Gailtaler Tracht, die beim Kirchtagsladen von der Villacher Bauerngman getragen wird. Wie kommt man dazu? Sonst nennt man sich in Villach auch immer Draustadt und nicht Gailstadt. Ich bin nur froh, dass man den Plan fallen gelassen hat, in Villach ein Kufenstechen zu veranstalten. Das ist eine uralte Tradition aus dem Gailtal und kein Schauspiel, das man einfach irgendwo aufführen kann.

SCHÜTZELHOFER: Der Villacher Kirchtag ist eine Woche Remmidemmi. Ich glaube auch, dass man ihn eher als Volksfest bezeichnen sollte. Ein echter Kirchtag ist über Generationen hinweg fest in der Bevölkerung verankert. Das ist auch bei uns so – Party hin oder her. Der Kirchtag ist in erster Linie immer ein Fest für das eigene Dorf gewesen und soll das auch immer bleiben. Das ist ein sehr sensibles Thema. Wir haben viel Kritik geerntet, als wir unser Zelt verlegt haben. Es befindet sich jetzt außerhalb des Ortsgebietes. Das war nicht unsere Idee, sondern eine Auflage der Behörden.

Wünschen Sie sich manchmal mehr Unterstützung?

SCHÜTZELHOFER: Abgesehen von manchen Auflagen können wir uns nicht beschweren. Vor allem die Gemeinde hilft uns sehr. Einen Kirchtag zu veranstalten ist aber, wenn man sich die Rahmenbedingungen anschaut, in den vergangenen Jahren sicher nicht leichter geworden.

ABUJA: Das stimmt. Allein die Haftungen, die man als Obmann eingehen muss, sind ein Wahnsinn. Aber ich kann sagen, dass auch wir von der Gemeinde sehr unterstützt werden. Leider ist das nicht mehr in allen Dörfern der Fall. Ich kenne Burschenschaften, die nach dem Kirchtag Rechnungen von Ihrer Gemeinde bekommen haben.

Plagen Sie deshalb schon Nachwuchssorgen?

ABUJA: Zum Glück nicht. Wir müssen niemanden fragen oder gar bitten, ob er mitmacht. Bei uns in Feistritz sind schon die Kinder mit Begeisterung dabei, wenn der Kirchtag vorbereitet und schließlich gefeiert. Man wächst damit auf und ist später stolz darauf, beim Kufenstechen reiten zu dürfen. Das unterscheidet das Dorf von der Stadt.

SCHÜTZELHOFER: In der Stadt gibt es diesen Zusammenhalt nicht. Wir haben kein Nachwuchsproblem, obwohl man ehrlich sagen muss, dass der Kirchtag auch nicht jedermanns Sache ist. Für uns von der Burschenschaft ist das ganze Fest kein Honigschlecken. Die meisten nehmen sich dafür zwei Wochen Urlaub. Der Aufwand ist ja mittlerweile gigantisch, wir arbeiten zum Teil rund um die Uhr. Aber es macht Spaß und wir erleben viel. Einiges davon werden wir später wohl noch unseren Enkeln erzählen.

Die Kirchtage

In Feistritz/Gail wird am Pfingstmontag, der heuer auf den 9. Juni fällt, und am Dienstag gefeiert. In Puch findet der Kirchtag ebenfalls am Pfingstwochenende (7. und 9. Juni) statt. Mehr Infos im Web auf www.burschenschaft-feistritz-gail.at und www.pucherkirchtag.at.

Video

Vor gefühlten 100 Jahren habe ich in meiner Funktion als Papablogger das Kufenstechen in Feistritz/Gail mit einem Kamerateam unter die Lupe genommen. Herausgekommen ist eine Mini-Doku, die ich Lesern, die über ausreichend Zeit und Interesse verfügen, nicht vorenthalten möchte.

😉

Georg Lux