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Jul
26

„Kirchtag ist wichtige Bühne“

Noch schläft die Bühne, aber am Sonntag geht's los. Foto: www.facebook.com/kirchtag

Noch schläft die Bühne, aber am Sonntag geht’s los. Foto: www.facebook.com/kirchtag

Kirchtagsverein wehrt sich gegen Vorwürfe aus dem Gailtal. Obmann Pfeiler: „Niemand hat ein Moopol auf Trachten.“

Heiter weiter: Auf der Facebookseite des Festes protestieren die Mitglieder einiger Gailtaler Burschenschaften nach wie vor dagegen, dass die Kirchtagslader der Villacher Bauerngman „ihre“ Tracht tragen. Die Gailtaler Tracht, so der Tenor der mittlerweile mehr als 130 Kommentare im Internet, gehöre den Gailtalern. Außerdem sei der Villacher Kirchtag schon lange kein Kirchtag im ursprünglichen Sinn mehr.

Felix Abuja, Obmann der Burschenschaft Feistritz/Gail, versteht den Unmut seiner Kameraden: „Unsere Trachten sind in Familienbesitz, das sind alles Erbstücke. Ich glaube, dass wir sie einfach mit mehr Stolz und deshalb authentischer tragen.“ Dem jungen Gailtaler ist der Villacher Kirchtag suspekt. „Heuer findet dort sogar eine Tagada-WM statt. Das hat ja mit Brauchtum nichts mehr zu tun!“

Volkskundler Heimo Schinnerl versteht, dass sich die Bauerngman Villach vor 105 (!!!) Jahren vermutlich aus optischen Gründen für die Gailtaler Tracht entschieden hat. „Auch die Volkstanzgruppe Lindwurm trägt sie“, weiß der Direktor des Freilichtmuseums Maria Saal. Den Villacher Kirchtag mit seinen rund 400.000 Besucher kategorisiert er als „Stadtfest mit Kirchtagscharakter“. Der Vergnügungspark gehöre dazu. „Ein Ringelspiel und Schaukeln hat es früher bei jedem Kirchtag gegeben“, so Schinnerl.

Kirchtagslader der Villacher Bauerngman in der Gailtaler Tracht. Foto: Kleine Zeitung/Markus Traussnig

Kirchtagslader der Villacher Bauerngman in der Gailtaler Tracht. Foto: Kleine Zeitung/Markus Traussnig

Dass man in Villach auf einem schwierigen Grat zwischen Tradition und Zeitgeist wandelt, gibt auch Richard Pfeiler, der Obmann des Kirchtagsvereins, zu. „Auf Trachten und Tradition hat niemand ein Monopol“, wehrt er sich gegen die Vorwürfe aus dem Gailtal. „Wir haben Bereiche wie den Festzug am Samstag, wo wir die unverfälschte Tradition kompromisslos in den Mittelpunkt rücken. Daran dürfen nur eingetragene Brauchtumsgruppen teilnehmen. Der Villacher Kirchtag leistet einen wesentlichen und erfolgreichen Beitrag zur Wiederentdeckung des Ursprünglichen. Wir wollen aber nichts vereinnahmen, sondern verstehen uns als Bühne und Mitttler.“

Die Kritiker aus den Reihen der Gailtaler Burschenschaften will Pfeiler zum Kirchtag einladen, der am Sonntag mit der Eröffnung der Brauchtumswoche beginnt: „Bei einer Suppe und einem Bier können wir das leichter ausreden als im Internet.“

Nachlese:

Georg Lux