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Jul
28

Knochenjob Bierführer

Ein starkes Team (zumindest die Herren links und in der Mitte). Foto: Peter Just

Unterwegs mit den Villacher Kirchtags(be)ladern: Für die Kleine Zeitung habe ich mich WIRKLICH als Bierführer versucht.

Die Reportage, die am Sonntag in der „Kirchtagszeitung“ (44 Seiten nur über den heurigen Villacher Kirchtag als Beilage zur Kleinen Zeitung) erscheint:

Der Doktor in der Unfallambulanz ist neugierig. „Was haben Sie gemacht?“, fragt er, während er gnadenlos auf meinen ebenso schmerzenden wie angeschwollenen rechten Ringfinger drückt. „Ein paar Bierfässer herumgehoben“, antworte ich wahrheitsgetreu. „Machen Sie das sonst auch?“ – „Nein.“ – „Dann lassen Sie das in Zukunft bitte bleiben.“ 

Obwohl nichts gebrochen oder gerissen ist, bekomme ich eine Ambulanzkarte mit der Diagnose „Überlastungssyndrom“. Die werde ich mir unterschreiben lassen. Von Klaus Lamprecht und Manfred Schmidt, die sich jetzt beim Lesen wahrscheinlich köstlich amüsieren. An dem denkwürdigen Tag mit Ausklang in der Unfallambulanz habe ich die beiden Villacher Bierführer zwei Stunden lang begleitet und ein wenig mitgeholfen. Bei einem Journalisten reicht das für ein „Überlastungssyndrom“ . . .

Fässer am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen?! Foto: Peter Just

Kein Schaden ohne Nutzen: Ich bin nun stolzer Besitzer eines Bierführer-Outfits, ausgefasst um 7 Uhr früh. Unchristlich für mich, aber spät fürs Bierausliefern. „Normalerweise beginnen wir um 5.45 Uhr mit dem Beladen der Fahrzeuge, damit spätestens um 8 Uhr alle unterwegs zu den Kunden sind“, erklärt Logistikleiter Gernot Wieser. Er ist Herr über mehr als 60 rote Lkw und teilt mich dem Wagen von Klaus und Manfred zu.

Wir fahren eine sogenannte Stadttour, zuerst zur bp-Tankstelle in der Ossiacher Zeile. Sie hat nur Kisten bestellt. „Lego für Erwachsene“, lache ich beim Stapeln, bevor mir Klaus vorrechnet, wie viel Bier und diverse alkoholfreie Getränke heute darauf warten, von uns abgeladen zu werden. Es sind „nur“ sieben Tonnen! Der Lkw hat zwar eine Hebebühne, doch sie kommt nicht zum Einsatz. In der Stadt ist es meistens zu eng dafür. 

Beim Gasthaus Kleinbichler in der Italiener Straße geht’s dann an die ersten Fässer. Je zwei kommen auf eine Rodel und gehören ins Kühlhaus geschoben. Ich schiebe also rund 100 Kilo durch die Gegend, was nicht annähernd so schwer ist, wie ein Fass vom Lkw zu kriegen. „Technik ersetzt Kraft“, erklärt Manfred. Zum Abstützen kann und soll man den ganze Körper einsetzen.

Aus dem Weg! Foto: Peter Just

Manfred ist seit 27 Jahren mit von der Partie, Klaus seit 21, erzählen sie mir bei einem Kaffee, auf den uns der Wirt eingeladen hat. Beim Lkw-Fahren gelten 0,1 Promille. Auch Bierführer trinken mittlerweile nur in der Freizeit Bier. Doch die ist in Zeiten wie diesen rar. In der Villacher Kirchtagswoche sind alle Mitarbeiter im Einsatz. Zusätzlich zu den Getränken müssen Bänke, Tische, Theken und Kühlanlagen geliefert werden. Die letzte Nacht ist die härteste. „Beim Abbauen muss man aufpassen, dass einem kein Besoffener die Rodel fladert“, sagt Manfred.

Weil ich schon meinen Ringfinger spüre, frage ich, ob man diesen Job bis zur Pension macht. „Ja“, sagen die Bierführer, „obwohl wir alle unsere Wehwechen haben“. Die habe ich mittlerweile auch, weshalb ich mich bei den nächsten beiden Gasthäusern, der Stadtschenke zum Stauber und dem Brauhof auf den Beobachterstatus beschränke. 

Als ich mich später ohne rechten Ringfinger (das ist gar nicht so einfach) wieder in meine Zivilkleidung quetsche, fällt mir ein, was mir Brauereidirektoren Clemens Aigner und Josef Pacher am Vortag mit auf den Weg gegeben haben. Es war ein breites Grinsen. Sie haben gewusst, was auf mich zukommt. Bier ist ein Naturprodukt, zum Zustellen braucht man Naturburschen. Keine Schreibtischtäter. 

Geschafft. Foto: Peter Just

Georg Lux