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Aug
04

Böse Geister

Wie böse ist dieses "Leibale"? Foto: Pleamle

Im Villacher Kulturhofkeller diskutierte am Mittwoch eine illustre, aber sehr kleine Runde die spannende Frage: „Wie links kann Tradition sein?“

Das Thema war viel versprechend, die Diskussion dann aber leider schlecht besucht und auch sonst eine Pleite. Was wohl am „Veranstaltungsdesign“ lag.

An einem langen Tisch im Kulturhofkeller, den wir Ältere noch als Cling-Keller kennen, wurden die Meinungen von Diskussionsteilnehmern und Zuhörern gleichermaßen der Reihe nach abgefragt. Das mag zwar basisdemokratisch sein, steigert aber nicht unbedingt die Spannung. Trotzdem darf ich das Gehörte kurz zusammenfassen:

Für Autor Bernd Liepold-Mosser schwebt über dem Tragen von Trachten noch immer der böse Geist von Jörg Haider und seinen „braunen“ Wegbereitern in der Kärntner Sozialdemokratie. Moderne Versionen traditioneller Kleidung sind für ihn „der Dresscode der Haider-Ära“. Der Trend zu Pleamle macht Liepold-Mosser deshalb „große Sorgen“, während ihm die Kilts von Thomas Rettl „zu doof“ sind, um darüber überhaupt zu diskutieren.

Pleamle-Macher Daniel Derler hielt dagegen, dass er keine Trachten, sondern Mode produziert: „Wir müssen uns dafür nicht rechtfertigen.“ Schützenhilfe kam von Kirchtagsvereinobmann und SPÖ-Vizebürgermeister Richard Pfeiler, für den Tradition nicht politisch besetzt ist. Und der ebenfalls rote Gemeinderat Günther Albel ergänzte: „Ich lasse mir meine Tracht von niemandem wegnehmen!“

Was ICH inhaltlich mitgenommen habe?

Ich mache mir KEINE Sorgen, wenn tausende Menschen unterschiedlichster Herkunft in den unterschiedlichsten Trachten – egal ob Pleamle oder Rettl oder XY – fröhlich gemeinsam feiern. Auch besonders kritischen Querdenkern würde es nicht schaden, den in diesem Fall sprichwörtlichen engen intellektuellen Keller manchmal zu verlassen. Nicht jeder, der Spaß hat, ist böse.

Das Thema hat Potenzial. Ich freue mich auf eine Fortsetzung der Diskussion im nächsten Jahr. Dann bitte gleich auf dem Rathausplatz, mit diesen tollen (und weiteren) Gästen, einer echten Moderation und ganz viel Publikum.

5 Kommentare

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  1. iwordabei sagt:

    Keine Meinung ist auch keine Meinung.

    1. Georg Lux sagt:

      Wer jetzt? :-)

  2. El Schurz sagt:

    Diese „Beißfreudigkeit“ gegenüber den Trachtenträgern hat sich bei gewissen Menschen manifestiert und es gibt wirklich kein Argument, das sie noch umstimmen könnte. Ich glaube auch, das viele „Trachtengegner“ (so bezeichne ich Menschen die Trachtenträger sofort ins rechte Eck stellen, oftmals mit eindeutigen Gesten) am 11.10.2008 ein wichtiges Feindbild verloren haben und deshalb auf alles eindreschen, dass sie nur im entferntesten an diese Person erinnert…

  3. Martin Dueller sagt:

    Lieber Herr (oder Frau?), El Schurz,

    wahrscheinlich waren Sie – wie eigentlich auch Herr Lux – bei der Diskussionsrunde nicht anwesend. Dies nur als Richtigstellung: Es ging nicht darum jemanden ins rechte Eck zu stellen, sondern um die Hinterfragung einer „Uniformierung“. Es ging um die Frage, was Tradition (und/oder Brauchtum) wirklich ist und warum sich bei dem Begriff bei gewissen Menschen die Nackenhaare aufstellen (das hat nämlich Gründe, die hinter den Begriffen oder hinter der Kleidung stecken).
    Das mögen Kellergespräche sein, aber es ist zumindest sowas wie der Versuch, die starren Fronten aufzulösen.
    Eingedroschen wurde übrigens auf überhaupt niemanden – das ist nicht unsere Art einen Dialog zu führen.
    Also herzliche Einladung zur nächsten Diskussionsrunde im Kulturhofkeller oder spätestens beim nächsten Kirchtag zu einem ähnlichen Thema. Starke Meinungen – jeder Art – und fundiertes Wissen, das weitergegeben wird, fördern den Dialog.

    1. Georg Lux sagt:

      Nur zur Klarstellung: Ich war natürlich anwesend und habe sogar Notizen gemacht! :-)

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Georg Lux